Aus dem Wasser gezogen

Predigt vom 20.7.2025 über Ex 2

Die Kinder vom Zirkus Prisma werfen sich eine Schnur zu. Da entsteht ein Netzwerk. Da wird etwas verbunden, wächst - sichtbar vor unseren Augen. 

Taufe – eine Verbindung, die trägt. Wir machen sichtbar: Unser Leben, das Leben unserer Kinder ist und bleibt verbunden mit Gott. Es ist hineingewoben in eine Gemeinschaft, in der Gott, die Fäden zusammenhält. Eine Gemeinschaft, die ihre Wünsche, Gebete und Hoffnungen mit hineinwebt und flechtet. Dadurch entsteht ein buntes Zeugnis unseres Glaubens. Auch wir haben geflochten. Mit den Taufsprüchen ihrer Kinder ist eine kleine Arche, ein Korb entstanden. Die (Schilf)-Streifen, die hier hineingewoben wurden, sind Zeugnis ihres Glaubens, Ihrer Hoffnung und Liebe für ihre Kinder und Patenkinder. Da soll eine Verbindung entstehen, die trägt und nicht abreißt – durch Gott – gerade dann, wenn alles im Fluss ist, das Leben ins Wanken gerät. 
An einem solchen Tag am Fluss fällt mir dazu die Geschichte von Mose, dem Israeliten, ein. Ein Mensch, der in unsichere Zeiten hineingeboren wird. Sein Volk lebt als Sklaven in Ägypten. Eigentlich hätte Mose, wie alle Erstgeborenen seines Volkes nicht überleben sollen. Der Pharao will sie umbringen. Um Mose zu retten, muss seine Mutter ihn aus der Hand geben. Sie legt ihn in eine kleine Arche, ein Schilfkörbchen. Sie legt es ins Wasser am Ufer des Nils. Sie will Moses Leben bewahren, kann es aber nicht mehr bei sich behalten. Dass sie ihr Kind loslässt, rettet sein Leben. 
So ist es auch in der Taufe.  Eltern geben ihr Kind aus der Hand und legen es in Gottes Hände. Sie erahnen: Es gibt Situationen im Leben, da können wir nichts (mehr) für unsere Kinder tun, da halten wir ihr Leben Gott hin. 
Dann ist da auch noch Mirjam, die große Schwester von Mose. Sie beobachtet das Schilfkörbchen im Fluss, passt auf und ist am Ende noch richtig schlau. Als die Tochter des Pharaos das Körbchen mit Mose im Nil findet, beschließt sie es, zu sich zu nehmen. Und Mirjam eilt sofort herbei und schlägt ihre Mutter als Amme für das Kind am Hof des Pharaos vor. 
Mirjam ist so etwas, wie eine treue Begleiterin im Leben des Moses. Sie gibt acht und ist in den Momenten im Leben des Moses da, als er sie braucht. Treue Begleiterinnen und Begleiter, das sind sie als Patinnen und Paten für ihr Kind. Sie helfen ihrem Patenkind auf seinem Weg ins Leben. Ein Weg, der ein Leben und eine Zukunft mit Gott offenhält. 
Sie alle haben ihren Kindern Namen ausgesucht, manche schon lange vor der Geburt ihres Kindes. Ihnen hat der Klang gefallen, sie haben ihn in einem Film gehört oder einem Buch gelesen. Er hat vielleicht eine schöne Bedeutung oder in der Familie eine Tradition.  Mose wird sein Name von der Tochter des Pharaos gegeben. Bewusst oder unbewusst ist dieser Name prägend für sein weiteres Leben. Mose – das heißt: aus dem Wasser gezogen. Aus dem Wasser, das sein Leben bewahrte, aber auch bedrohte. 
In der Taufe erinnern wir uns an beides. Die Bedrohung, wenn einem das Wasser bis zum Halse steht, das ist vielleicht momentan das ganz normale Alltagschaos, die Umstellung, das Sich-Neu-Eintakten als Familie mit einem neuen Leben der Mitte der Familie. 
Wer weiß, wie ein Kind im Bauch der Mutter entsteht und wächst, der weiß auch, welches Wunder hier geschieht. Der weiß, welche Hürden das Leben nehmen muss, bis es die Chance hat, auf die Welt zu kommen. 
Nicht alle schaffen diesen Weg.  Leben ist bedroht, von Anfang an. 
Die Taufe macht sichtbar, dass Gott unser bedrohtes Leben ganz zu sich zieht. Der Mensch bleibt untrennbar mit dieser Hand verbunden. Nichts kann diese Verbindung lösen, auch der Tod nicht. 
Mose wird im Laufe seines Lebens immer wieder spüren, dass Gott ihn aus scheinbar ausweglosen Situationen Zukunft eröffnet. Mose flieht vor dem Pharao, als er es nicht mehr erträgt, wie sein Volk in Ägypten misshandelt wird und einen Sklaven-Aufseher erschlägt. Er will sein altes Leben vergessen. Er will die Augen verschließen. Doch wieder zieht Gott ihn heraus, gibt ihm einen Auftrag, sein Volk aus Ägypten zu führen. 
Mose denkt, das kann er nicht, doch Gott redet ihm gut zu, stellt ihn wieder Menschen an die Seite. Menschen, die ihm bei seiner Aufgabe unterstützen. So fasst er Mut. Mit Gott und treuen Begleitern an seiner Seite kehrt er um und stellt sich dem Leben. 
Sich dem Leben zu stellen, mit all seinen großen und kleinen Herausforderungen, nicht wegzulaufen, dass wünschen wir auch unseren Täuflingen. Sie sollen sich von einem Gott begleitet wissen, der ihnen wie Mose ihm brennenden Dornbusch zusagt „Ich bin da“. 
Mose wird sein Volk aus Ägypten führen. Er wird mit ihnen bis an den Rand der Ausweglosigkeit gehen: bis ans Schilfmeer. Die Gefahr, die Ägypter, die sie verfolgen, im Nacken und vor ihnen, bedrohliche, scheinbar unüberwindbare Meerestiefen.
Doch auch da öffnet Gott einen neuen Weg. Der Weg durchs Schilfmeer, für uns als Christinnen und Christen ist dies ein Weg, der uns an den Weg Jesu Christi erinnert. Seinen Weg, den Jesus Christus durch den Tod zum Vater ging. Auswegloser kann uns das Leben nicht erscheinen, wenn einem der Tod vor Augen steht. Als Christen gehen wir den Weg von Christus mit. Die Taufe ist der Weg durch das Wasser hin zu einem neuen Leben mit Gott. Wir gehen diesen Weg immer wieder. Am Anfang, in der Mitte und am Ende unseres Lebens. Auch die die dunkelste Tiefe von Gott ist durchbrochen – neues, ewiges Leben ist uns geschenkt. 
 
Therese Wagner, Veronika Kurlberg
 

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