Singet, Kantate, so heißt der heutige Sonntag. Ja, wie steht es mit unserem Singen? Wann haben Sie das letzte Mal gesungen, befreit und unbeschwert? Singen, das hat etwas mit unserer Seele zu tun, mit unserer Lebendigkeit.
„Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder!“
Predigt vom 18.5.2025 über Apg 16, 23 -34

Eigentlich müsste ja der ganze Kirchenraum erfüllt sein von unserem Gesang, denn wir haben doch die frohe Botschaft gehört. Doch oft haben wir so viel Zweifel, so viele Sorgen, dass wir nur zögernd und leise in das Lob Gottes einstimmen, wenn überhaupt.
Aber doch auch der Zweifel, die Trauer und der Schmerz sind im Lied gut aufgehoben. Die Musik ist dem Schmerz, der Angst oft näher als das Wort. Ja, die Lieder selber können Kraftquelle und Ermutigung sein - auch in der Bedrängnis und in dunklen Stunden. Lieder und Musik sind es ja oft gewesen, die Menschen zusammengeführt, die sie gestärkt, ja, die sie zur Widerstandskraft und zum Durchhalten in schwierigen Situationen befähigt haben. Denn das Lied, die Musik überschreitet Grenzen, bringt Dinge zum Klingen, die in Worten allein nicht fassbar sind. Da, wo der Mensch singt, da ist er ganz bei der Sache, bei sich selbst, beim Leben, bei Gott.
Und so finden wir in der Bibel immer wieder an entscheidenden Stellen der Geschichte Gottes mit seinem Volk oder einem Einzelnen Lieder. Immer wieder münden auch Predigten, Ansprachen, Ermahnungen in der Bibel in der Aufforderung zu loben, zu singen, zu musizieren. Und das kommt nicht von ungefähr. Im Loben brechen wir unser Schweigen über Gott. So auch in dem Text aus der Apostelgeschichte für den heutigen Sonntag. Er steht in der Apostelgeschichte 16, 23 – 34:
Und da man sie hart geschlagen hatte, warf man sie ins Gefängnis und gebot dem Kerkermeister, dass er sie wohl verwahrte. Der, da er solches Gebot empfangen hatte, warf sie in das innerste Gefängnis und legte ihre Füße in den Stock. Um die Mitternacht aber beteten Paulus und Silas und lobten Gott. Und es hörten sie die Gefangenen. Plötzlich aber ward ein großes Erdbeben, so dass sich bewegten die Grundfesten des Gefängnisses. Und alsbald wurden alle Türen aufgetan und die Fesseln aller gelöst. Als aber der Kerkermeister aus dem Schlafe fuhr und sah die Türen des Gefängnisses aufgetan, zog er das Schwert und wollte sich selbst töten, denn er meinte, die Gefangenen wären entflohen. Paulus aber rief laut und sprach: Tu dir nichts Übles; denn wir sind alle hier. Er forderte aber ein Licht und sprang hinein und fing an zu zittern und fiel Paulus und Silas zu Füßen und führte sie heraus und sprach: Liebe Herren, was soll ich tun, dass ich gerettet werde? Sie sprachen: Glaube an den Herrn Jesus, so wirst du und dein Haus selig. Und sie sagten ihm das Wort Gottes und allen, die in seinem Hause waren. Und er nahm sie zu sich in derselben Stunde der Nacht und wusch ihnen die Striemen ab. Und er ließ sich taufen und alle die Seinen alsbald und führte sie in sein Haus und deckte ihnen den Tisch und freute sich mit seinem ganzen Hause, dass er an Gott gläubig geworden war.
Aber doch auch der Zweifel, die Trauer und der Schmerz sind im Lied gut aufgehoben. Die Musik ist dem Schmerz, der Angst oft näher als das Wort. Ja, die Lieder selber können Kraftquelle und Ermutigung sein - auch in der Bedrängnis und in dunklen Stunden. Lieder und Musik sind es ja oft gewesen, die Menschen zusammengeführt, die sie gestärkt, ja, die sie zur Widerstandskraft und zum Durchhalten in schwierigen Situationen befähigt haben. Denn das Lied, die Musik überschreitet Grenzen, bringt Dinge zum Klingen, die in Worten allein nicht fassbar sind. Da, wo der Mensch singt, da ist er ganz bei der Sache, bei sich selbst, beim Leben, bei Gott.
Und so finden wir in der Bibel immer wieder an entscheidenden Stellen der Geschichte Gottes mit seinem Volk oder einem Einzelnen Lieder. Immer wieder münden auch Predigten, Ansprachen, Ermahnungen in der Bibel in der Aufforderung zu loben, zu singen, zu musizieren. Und das kommt nicht von ungefähr. Im Loben brechen wir unser Schweigen über Gott. So auch in dem Text aus der Apostelgeschichte für den heutigen Sonntag. Er steht in der Apostelgeschichte 16, 23 – 34:
Und da man sie hart geschlagen hatte, warf man sie ins Gefängnis und gebot dem Kerkermeister, dass er sie wohl verwahrte. Der, da er solches Gebot empfangen hatte, warf sie in das innerste Gefängnis und legte ihre Füße in den Stock. Um die Mitternacht aber beteten Paulus und Silas und lobten Gott. Und es hörten sie die Gefangenen. Plötzlich aber ward ein großes Erdbeben, so dass sich bewegten die Grundfesten des Gefängnisses. Und alsbald wurden alle Türen aufgetan und die Fesseln aller gelöst. Als aber der Kerkermeister aus dem Schlafe fuhr und sah die Türen des Gefängnisses aufgetan, zog er das Schwert und wollte sich selbst töten, denn er meinte, die Gefangenen wären entflohen. Paulus aber rief laut und sprach: Tu dir nichts Übles; denn wir sind alle hier. Er forderte aber ein Licht und sprang hinein und fing an zu zittern und fiel Paulus und Silas zu Füßen und führte sie heraus und sprach: Liebe Herren, was soll ich tun, dass ich gerettet werde? Sie sprachen: Glaube an den Herrn Jesus, so wirst du und dein Haus selig. Und sie sagten ihm das Wort Gottes und allen, die in seinem Hause waren. Und er nahm sie zu sich in derselben Stunde der Nacht und wusch ihnen die Striemen ab. Und er ließ sich taufen und alle die Seinen alsbald und führte sie in sein Haus und deckte ihnen den Tisch und freute sich mit seinem ganzen Hause, dass er an Gott gläubig geworden war.
Liebe Gemeinde, das ist nun schon sehr erstaunlich: da sitzen zwei Menschen im Gefängnis, sie wurden geschlagen, ihre Füße gebunden – es gibt kein entkommen, und die beiden, Paulus und Silas beteten und lobten Gott. Dass sie beteten, das kann man sich ja gut vorstellen, in ihrer Not und Angst. Das tun wir auch und es ist gut, dass wir das tun. Die Erfahrung, dass wir beim Beten ruhiger werden, wieder einen klareren Kopf bekommen. Es ist, wie wenn man mit einem Freund spricht, der gut zuhört und der mich versteht. Nicht, dass dann alles gleich wieder gut ist und die Angst plötzlich vorbei ist. Aber es gibt Kraft, auch in einer schwierigen Situation nicht aufzugeben und sie durchzustehen. Doch dass Paulus und Silas Gott in ihrer Situation im Gefängnis auch noch loben, das ist schwer zu verstehen.
Der Evangelist Lukas schreibt diese Geschichte nicht, um uns diese Geschichte von Paulus und Silas zu erzählen, sondern in dieser Geschichte schlagen sich vielfältige Erfahrungen der gesamten jungen Christenheit nieder. So ist es für Lukas und erst recht für uns, die wir diese Geschichte hören, besonders wichtig, dass wir erkennen, dass sich diese wunderbare Befreiungsgeschichte mit unserer eigenen Lebensgeschichte deckt, oder decken kann.
Es heißt nicht: es war einmal, sondern: so ist es und so bleibt es. So geht es zu mit Jesus und dem Glauben. Das Ziel ist die Befreiung, ein Loblied, das angestimmt wird in der Mitternacht des Lebens. So betrachtet kann sich wohl jeder und jede von uns in dieser Befreiungsgeschichte unterbringen. Wer hat nicht schon in irgendeiner Weise Gefangenschaft erlitten? Das innerste Gefängnis in unserem Text ist sicher mehr als eine bloße Vokabel, oder der Hochsicherheitstrakt, wie wir es heute nennen würden. Es ist der Ort, wo uns die Lieder und Gebete im Halse stecken bleiben, gefangen in Krankheit, Not und Schuld, in Angst an den Gitterstäben der eigenen Fehler und Versäumnisse entlang zu laufen. Und die Erfahrung, dass es auch ein glückliches, unerwartetes Ende solcher und anderer Gefangenschaften geben kann.
Dass sich verschlossene Türen öffnen, ganz unerwartet, wie von einem Erdbeben, die Fesseln fallen, dass ich plötzlich spüre: ich kann wieder, ich will wieder, dass ich erfahre: die Mitte der Nacht ist der Anfang eines neuen Tages. Nein, es wird nichts schön geredet. Auch wenn es nicht gut ausgeht – und diese Erfahrungen machen wir doch auch – gilt: es ist nicht das Ende. Das ist unser Glaube, der in Jesus gründet. Und das ist letztlich der Grund für Paulus und Silas, in der Nacht ihres Lebens zu singen und Gott zu loben. Das ist der Grund für viele Menschen – bis heute – in all ihrem Leid z.B. den Psalm 103 aufzuschlagen und zu beten. Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen. Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat. Dieses jüdische Gebet, dieses Lied ist auch für uns Christen ein Loblied in der Bedrängnis. Es ist für uns der Glaube an den Gekreuzigten und Auferstandenen, der uns singen und loben lässt. Denn er ist der Grund der Freiheit für alle, die in dieser Welt gekreuzigt werden oder ihr Kreuz tragen müssen. Es geht hier keinesfalls um eine Verherrlichung des Leidens. Gott steht gegen das Leid und immer auf der Seite der Opfer. Aber wer Gott lobt im Leiden, der protestiert gegen das Leid, der eröffnet sich ein letztes Stück Freiheit, die ihren Grund allein Gott hat.
Das scheint auch der Kerkermeister in unserer Geschichte zu ahnen, als er die Lebensfrage stellt: Was muss ich tun, dass ich gerettet werde? Und die Antwort des Paulus: Vertraue auf Jesus, den Herrn und du wirst samt deiner Familie heil. Und er ließ sich taufen und freute sich mit seinem ganzen Hause, dass er zum Glauben an Gott gekommen war. Kein ausgiebiger Religions- und Konfirmandenunterricht waren nötig, um diesen Glauben zu verstehen und sich taufen zu lassen. Das gilt auch für eure Kinder, die wir eben getauft haben. Der Glaube, den ihr und wir als Gemeinde leben, wird ansteckend und ihnen ein lebenslanges Fundament sein, auf dem sie getrost und froh leben können.
Dieser Glaube schafft Freiheit mitten in Angst und Not, schafft Widerständigkeit in aller Bedrängnis. Dieser Glaube ist ansteckend. Er wirkt sich auf alle Lebensbereiche aus, wie der Erzählungszusammenhang unseres Predigttextes zeigt: unmittelbar nach ihrer wunderbaren Befreiung verweisen die Apostel bei den städtischen Behörden von Philippi auf ihre Rechte als römische Bürger, nach denen sie zu Unrecht gefangen und gefoltert wurden. Das eben gehört zusammen: der Lobgesang in der Nacht und das Eintreten für Recht und Gerechtigkeit. Und auch der Anlass, warum Paulus und Silas gefoltert und inhaftiert wurden, gehört zur Erzählung dazu: Durch ihre Verkündigung haben die beiden das gut gehende Geschäft einer Wahrsagerin ruiniert und so den Zorn der Leute auf sich gezogen, die daran gut verdienten. Der Befreiungsgesang um Mitternacht ist immer auch ein österliches Protest- und Triumphlied gegen alle, die ihr Geschäft mit der Angst machen.
So lasst uns Gott loben, das ist unser Amt, unsere Aufgabe. Denn allein im Lob Gottes werden wir den Grund unseres Lebens unter unseren Füßen spüren. Wir werden erfahren, dass wir gehalten und getragen sind. Im Lob Gottes sind wir ganz bei der Sache und bei uns selbst. Im Lob Gottes wissen wir, wohin wir gehören. Im Lob Gottes erfahren wir die Befreiung aus allem, was uns knechtet und niederdrückt. So wollen wir den Herrn loben allezeit in Wort und Tat.
Amen
Der Evangelist Lukas schreibt diese Geschichte nicht, um uns diese Geschichte von Paulus und Silas zu erzählen, sondern in dieser Geschichte schlagen sich vielfältige Erfahrungen der gesamten jungen Christenheit nieder. So ist es für Lukas und erst recht für uns, die wir diese Geschichte hören, besonders wichtig, dass wir erkennen, dass sich diese wunderbare Befreiungsgeschichte mit unserer eigenen Lebensgeschichte deckt, oder decken kann.
Es heißt nicht: es war einmal, sondern: so ist es und so bleibt es. So geht es zu mit Jesus und dem Glauben. Das Ziel ist die Befreiung, ein Loblied, das angestimmt wird in der Mitternacht des Lebens. So betrachtet kann sich wohl jeder und jede von uns in dieser Befreiungsgeschichte unterbringen. Wer hat nicht schon in irgendeiner Weise Gefangenschaft erlitten? Das innerste Gefängnis in unserem Text ist sicher mehr als eine bloße Vokabel, oder der Hochsicherheitstrakt, wie wir es heute nennen würden. Es ist der Ort, wo uns die Lieder und Gebete im Halse stecken bleiben, gefangen in Krankheit, Not und Schuld, in Angst an den Gitterstäben der eigenen Fehler und Versäumnisse entlang zu laufen. Und die Erfahrung, dass es auch ein glückliches, unerwartetes Ende solcher und anderer Gefangenschaften geben kann.
Dass sich verschlossene Türen öffnen, ganz unerwartet, wie von einem Erdbeben, die Fesseln fallen, dass ich plötzlich spüre: ich kann wieder, ich will wieder, dass ich erfahre: die Mitte der Nacht ist der Anfang eines neuen Tages. Nein, es wird nichts schön geredet. Auch wenn es nicht gut ausgeht – und diese Erfahrungen machen wir doch auch – gilt: es ist nicht das Ende. Das ist unser Glaube, der in Jesus gründet. Und das ist letztlich der Grund für Paulus und Silas, in der Nacht ihres Lebens zu singen und Gott zu loben. Das ist der Grund für viele Menschen – bis heute – in all ihrem Leid z.B. den Psalm 103 aufzuschlagen und zu beten. Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen. Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat. Dieses jüdische Gebet, dieses Lied ist auch für uns Christen ein Loblied in der Bedrängnis. Es ist für uns der Glaube an den Gekreuzigten und Auferstandenen, der uns singen und loben lässt. Denn er ist der Grund der Freiheit für alle, die in dieser Welt gekreuzigt werden oder ihr Kreuz tragen müssen. Es geht hier keinesfalls um eine Verherrlichung des Leidens. Gott steht gegen das Leid und immer auf der Seite der Opfer. Aber wer Gott lobt im Leiden, der protestiert gegen das Leid, der eröffnet sich ein letztes Stück Freiheit, die ihren Grund allein Gott hat.
Das scheint auch der Kerkermeister in unserer Geschichte zu ahnen, als er die Lebensfrage stellt: Was muss ich tun, dass ich gerettet werde? Und die Antwort des Paulus: Vertraue auf Jesus, den Herrn und du wirst samt deiner Familie heil. Und er ließ sich taufen und freute sich mit seinem ganzen Hause, dass er zum Glauben an Gott gekommen war. Kein ausgiebiger Religions- und Konfirmandenunterricht waren nötig, um diesen Glauben zu verstehen und sich taufen zu lassen. Das gilt auch für eure Kinder, die wir eben getauft haben. Der Glaube, den ihr und wir als Gemeinde leben, wird ansteckend und ihnen ein lebenslanges Fundament sein, auf dem sie getrost und froh leben können.
Dieser Glaube schafft Freiheit mitten in Angst und Not, schafft Widerständigkeit in aller Bedrängnis. Dieser Glaube ist ansteckend. Er wirkt sich auf alle Lebensbereiche aus, wie der Erzählungszusammenhang unseres Predigttextes zeigt: unmittelbar nach ihrer wunderbaren Befreiung verweisen die Apostel bei den städtischen Behörden von Philippi auf ihre Rechte als römische Bürger, nach denen sie zu Unrecht gefangen und gefoltert wurden. Das eben gehört zusammen: der Lobgesang in der Nacht und das Eintreten für Recht und Gerechtigkeit. Und auch der Anlass, warum Paulus und Silas gefoltert und inhaftiert wurden, gehört zur Erzählung dazu: Durch ihre Verkündigung haben die beiden das gut gehende Geschäft einer Wahrsagerin ruiniert und so den Zorn der Leute auf sich gezogen, die daran gut verdienten. Der Befreiungsgesang um Mitternacht ist immer auch ein österliches Protest- und Triumphlied gegen alle, die ihr Geschäft mit der Angst machen.
So lasst uns Gott loben, das ist unser Amt, unsere Aufgabe. Denn allein im Lob Gottes werden wir den Grund unseres Lebens unter unseren Füßen spüren. Wir werden erfahren, dass wir gehalten und getragen sind. Im Lob Gottes sind wir ganz bei der Sache und bei uns selbst. Im Lob Gottes wissen wir, wohin wir gehören. Im Lob Gottes erfahren wir die Befreiung aus allem, was uns knechtet und niederdrückt. So wollen wir den Herrn loben allezeit in Wort und Tat.
Amen
Ansprechperson
Christoph Ecker
Pfarrer i.R.
Christoph Ecker ist Pfarrer im Ruhestand. Aber er feiert immer noch gerne Gottesdienst, auch in unserer Gemeinde.
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