Peru. Meine Reise ins Wunderland

Wenn man durch einen Schrank geht oder in einen Brunnen fällt, gelangt man in eine andere Welt. Ich habe mich zusammen mit anderen Personen in einen möblierten Raum gesetzt. Dieser hat Flügel bekommen, ist losgeflogen und hat uns in eine andere Welt manövriert.

In dieser Welt gibt es vieles, was es in meiner Welt auch gibt. Luft zum Atmen, Wasser, Sonne und Mond. Werbung, Smartphones und Tankstellen. Und trotzdem war diese Welt so anders …
Sand. Wenn ich an Peru denke, denke ich an Sand. Es gibt ihn kilometerweit. Auf Straßen und auf Wanderwegen. Auf Fußballplätzen und am Strand. Sand. In einer Farbe oder in allen Farben des Regenbogens.
Wenn ich an Peru denke, denke ich an Geschäfte. Ich denke an Verkäufer. Es gibt so viele Möglichkeiten Geld auszugeben. Für eine Massage in Cusco, für einen Tourguide in Machu Picchu, für einen Tuk-Tuk-Fahrer in Olmos, für einen Kofferträger im Hotel, für einen Straßenkünstler im Straßenverkehr von Arequipa, wenn die Ampel gerade auf Rot steht. Für einen selbstbestickten Kissenbezug einer Uro-Frau im Titicacasee, für ein Selfie mit einem verkleideten Inka-Herrscher, für ein Foto von Frauen in traditioneller Kleidung mit zwei Lamas oder Alpaccas, eines links und eines rechts. Für Ponchos, Schals und Tischdecken. Für Mützen, Handschuhe und Lama-Schlüsselanhänger. Für Klopapier und die Benutzung der Toiletten. Und natürlich für Essen. Sooooo viele Möglichkeiten Geld auszugeben. Sooooo viele Geschäfte.
Eine Dienstleistung ohne Preis anzubieten das wäre dumm. Dann wäre man der Hund. Ich liebe die Hunde in Peru. Auch sie bieten ihre Dienste an und begleiten dich auf Spaziergängen und Wanderungen. Einfach so. Für null Soles.
Wenn ich an Peru denke, denke ich an Essen. Ich denke an Fleisch und Fisch. An die Möglichkeit 3x am Tag nicht vegetarisch zu essen. Ich denke an Meerschweinchen und Alpacca. Ich denke an Schweineschwarte und Hühnchen. Hühnchen im Sandwich, Hühnchen im Empanada, Hühnchen mit Reis, Hühnchen mit Salat, Hühnchen mit Kartoffeln. Ich denke an viele viele bunte Kartoffeln.
Es wird nicht nur Fleisch gegessen. Es gibt auch viel Obst. Bananen, Papaya, Mango, Melone, Granadilla, Cherimoya, Maracuja, Ananas, Pitaya (Drachenfrucht). Und viel Getreide. Quinoa und Mais. An den Quinoa Riegel der Latam Airline hätte ich mich gewöhnen können.
In Deutschland sind wir Brot gewohnt. Das Brot in Peru ist auch gut. Große runde Fladen, die etwas süßlich schmecken. Es gibt im Urubambatal ein ganzes Brotdorf. Ich habe es gesehen und probiert.
Wenn ich an Peru denke, denke ich an Menschen. Ich denke an die Gräber von Menschen, die vor vielen Jahren lebten. Ich denke an Menschen, die in der heutigen Zeit aber wie früher leben, ich denke an ganz gewöhnliche Menschen, an Menschen in Uniformen, Schulkinder, Polizisten. Menschen in Tracht, die etwas verkaufen. Ich denke an unsere Reisebegleiter. An Nelly vom Titicacasee, an Hermann aus Arequipa, an Cesar aus Lima und an Javier aus Cusco. An Javier denke ich ganz besonders. Er hat mit so viel Leidenschaft von den Inka erzählt. Von der Präzision ihrer Bausteine, von dem großen Bruder, von dem Kondor, der Schlange und dem Puma. Er erzählte als wäre er dabei gewesen bei den Entdeckungen und Ausgrabungen der Inka-Stätten. Noch mehr, als hätte er vor vielen Jahrhunderten die Städte mit seinen Ahnen zusammen gebaut.
Wenn ich an Peru denke, denke ich an Hotels und an Touristen. Ich denke an Speisesäle, Wasserspender, Lobbyfilme, Plätscherbrunnen und riesengroße Einzelzimmer. Ich denke an Billardräume, Kirchenbänke, Geocaching und an den morgendlichen Coca-Tee. Ich denke an Coca-Bonbons und Coca-Schokolade. Ich denke daran, dass es sogar Coco-Bier gibt und ich es nicht probiert habe.
Ich denke daran, dass ich nicht alleine durch den Schrank gegangen bin. Ich danke an Alex, Anja, Sigrid und Tobias, die diese andere Welt zusammen mit mir entdeckt haben. Ich denke an die Freude beim Fußballspielen auf der Bananenplantage. Ich denke an die leise Angst beim Nachtspaziergang im Urubambatal. Ich denke an das Glück beim Drachensteigen über Cucso und an den Nervenkitzel beim Surfen in Lima.
Wenn ich an Peru denke, denke ich ganz besonders an Olmos. Ich denke an ein Haus, eine grüne Wiese, eine Schule, eine Kirche, an Menschen, die uns gastfreundlich aufgenommen haben. Ich denke an Rosa, die 3x am Tag für uns kochte, sehr abwechslungsreich und sehr lecker. Ich denke an Ricardo, den Lehrer für Literatur. Der immer freudig grüßt, wenn er gerade aus dem Haus kommt und der ein Freund geworden ist. Ich denke an Edwin, der den Garten gießt und uns mit dem Tuk Tuk befördert hat. Der laut ist, wenn er gut gelaunt ist. Ich denke an Martin, den Mann von Rosa. Der noch lauter ist, der die Hunde mit Wasser nass spritzt, sollten sie uns Gästen beim Esstisch zu nahekommen.
Ich denke an die Schülerin Rebecca, die stolz ein spanisch-deutsches Wörterbuch mit sich trägt und bereits die Zahlen auf Deutsch sagen kann. Die mich eingeladen hat mit ihr Volleyball zu spielen. Die beim Schulfest ein Indianerkleid präsentierte und dabei ganz schüchtern war. Die richtig selbstbewusst Fußball spielt und sich gegen eine reine Jungen-Gegenmannschaft durchzusetzen weiß.
Ich denke an den Grundschüler Nicolas, der mich zu seinem Unterricht eingeladen hat. Der sich viel lieber mit mir unterhalten wollte als Sätze über Pflanzen abzuschreiben. Der mir seine Telefonnummer gegeben hat und einfach zum Knuddeln war.
Ich denke an das Mädchen Olinka, die mit mir ein Foto in der Kirche gemacht hat und die mit ihrer Familie vor der Kirchengemeinde steht und lautstark das „Bienvenidos“-Lied singt. An sie und an all das denke ich, wenn ich zurück durch den Schrank gehe, den Brunnen hinauf klettere, zurück in meiner Welt bin. Und ich strahle über das ganze Gesicht, einen solchen Schatz entdeckt zu haben.
 
Katja Knosp
 
PS: Ich hatte vergessen an Narciso zu denken. Er hat die Reise erst möglich gemacht. Er gehört zu meiner Welt und zu der anderen Welt. Er hat das Olmos wie ich es kennengelernt habe erschaffen. Er ist der Türöffner dieser Geschichte.
 
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Katja Knosp

Ehrenamtliche

Katja begeistert sich für Fußball, Taizé-Gebete und Reisen. Sie lebt in der Weststadt.