Je älter ich werde, desto besser kann ich das mit den Gliedern, die nicht mitmachen wollen, am eigenen Leib nachvollziehen. Manchmal haben meine Füße einfach überhaupt keine Lust, obwohl der Rest von mir doch so gern laufen oder tanzen möchte.
Was finde ich gut an meiner Kirche?
Auslegung vom 27.7.2025 zu 1. Korinther 12, 12-27
Oder die Augen wollen mal wieder nicht so richtig. Irgendwie wird das Kleingedruckte immer kleiner und die Beleuchtung immer schlechter. Und die Leute sprechen neuerdings auch so undeutlich - oder meine Ohren wollen auch schon nicht mehr.
Ob das Paulus auch so ging? Er dürfte noch ein bisschen jünger gewesen sein, als er seinen Brief nach Korinth schickte, aber vielleicht hatte er ja auch schon Bekanntschaft gemacht mit Körperteilen, die nicht so recht wollten. Jedenfalls benutzt er dieses Bild, um der Gemeinde in Korinth zu sagen, dass das mit dem Gemeinde-Sein gleich viel besser geht, wenn alle mitmachen. Und wenn alle das tun, was sie am besten können oder was gerade ihre Aufgabe ist.
Und natürlich dürfen wir uns da auch angesprochen fühlen. Aber halt! Unser Thema heute ist nicht, was alles nicht so richtig funktioniert in unserer Kirche. Mit den Augen, die nicht so richtig sehen, und den Füßen, die nicht laufen wollen, beschäftigen wir uns oft genug. Heute, so haben wir uns in der Vorbereitung gesagt, geht es darum, was wir gut finden an unserer Kirche.
Und je mehr ich diesen Text lese, um so mehr finde ich vieles von dem, was ich gut finde, darin wieder.
Ich finde es gut, dass ganz verschiedene Menschen in der Kirche sind. Nicht nur Fußballer wie in einem Fußballverein, nicht nur Akademikerinnen oder Handwerker, nicht nur Alte oder Junge, nicht nur Reiche oder Arme. So wie ein Körper auch nicht nur Ohren oder Augen hat.
Ich finde es gut, dass alle gebraucht werden. Mir gefällt die Vorstellung, dass gerade die Unscheinbaren besonders wichtig sind - und ich hoffe, dass wir ihnen das auch zeigen.
Ich finde es gut, wenn wir uns umeinander kümmern und die Schwachen unter uns mittragen. Und dass wir selbst auch getragen werden, wenn wir schwach sind.
Ich finde es gut, dass Kirche so viele verschiedene Sachen macht. Gottesdienste und Musik und Diakonie und Seelsorge und Beratung und Kinderzirkus und Cafe Licht und Krabbelgottesdienst und Kirche Kunterbunt und Nächstenmahl und Tanzen und Feiern. Und dass sie sich auch vor den traurigen Dingen im Leben nicht drückt.
Ich finde es gut, dass wir in der Kirche nicht mit uns allein sind, sondern dass Gott mitten unter uns ist. Dass wir ihn immer wieder gemeinsam suchen und er uns findet.
Und ich finde es auch gut, dass es so viele verschiedene Kirchen und Gemeinden gibt. Auch die könnte man ja als Glieder eines Körpers sehen, der zusammengehört, aber ganz verschiedene Teile hat. Vielleicht sind ja die Katholiken die Nase (weil es da so gut nach Weihrauch riecht) und wir Protestanten der Mund (weil wir so viel predigen).
Am Ende haben wir alle denselben Gott und denselben Jesus Christus. Und wir - wir alle, die wir auf die eine oder andere Art zur Kirche gehören, ja die Kirche sind - wir alle sind der Leib Christi. Wir sind seine Hände und Ohren und Augen und Füße, sein Herz und sein Mund auf dieser Welt.
Das ist eine ganz schön große Aufgabe. Wenn wir das überhaupt schaffen können, dann deshalb, weil wir so viele verschiedene “Körperteile” sind. Und weil wir dabei nicht allein sind. Gott ist auch noch da.
Ansprechperson
Martin Bienwald
Ehrenamtlicher
Martin Bienwald macht mit bei der "Haltestelle Christuskirche". Er singt im Gospelchor und tanzt beim Israelischen Tanz. Im Liturgieausschuss denkt und plant er mit.
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