Brot für die Welt
Predigt vom 3.8.2025 über Joh 6, 1-15
Endlich Ferien! Und wieder mal die Chance, anderes zu machen als sonst. Andere Menschen kennen zu lernen, andere Lebensarten. Vielleicht im Ausland. Vielleicht in extrem anderen Verhältnissen. Wir sehen eine andere Art des Lebens, andere Kulturen und erleben vielleicht auch Armut zum Beispiel.
Um spätestens da zu merken, wie gut es uns doch geht, auch wenn wir oft genug stöhnen. Mir ist in muslimischen Ländern angesichts von armer Bevölkerung auch anderes klar geworden: Wenn da erzählt wird, dass der Einfluss fundamentalistischer Kreise wächst, heißt das nicht unbedingt, dass die Menschen gerade nach deren Ideologie hungern. Sie machen oft nur einfach die Erfahrung: endlich gibt’s welche, die nicht nur reden wie die Politiker, sondern die sehen, was uns fehlt, und konkret was tun, wenn wir medizinisch oder mit Lebensmitteln schlecht dran sind und unsre Straßen immer noch so desolat. Ausschlaggebend ist oft die ganz praktische Lebenshilfe. Klar, dass das Folgen hat. »Wes Brot ich ess’, des’ Lied ich sing.« Das war schon immer so. Auch Jesus hat das erlebt. Wenn er Menschen Kraft gegeben hat, sie stabil gemacht und auf die eigenen Füße gestellt, sind ihm Massen nachgelaufen. Und bevor er dann über die alte und neue Welt geredet hat, hat er gesehen, was diesen fehlt. Und warum es ihnen fehlt. Und hat Entsprechendes unternommen. Der von unsrer Kirche für diesen Sonntag vorgeschlagene Predigttext ist ein Beispiel dafür. Und ein Symbol für alles, was er sonst sagte und in Bewegung setzte. Ich lese aus dem Johannesevangelium: Kapitel 6 die Verse 1 bis 15 …
6,1 Danach fuhr Jesus weg über das Galiläische Meer, das auch See von Tiberias heißt.2 Und es zog ihm viel Volk nach, weil sie die Zeichen sahen, die er an den Kranken tat.3 Jesus aber ging auf einen Berg und setzte sich dort mit seinen Jüngern.4 Es war aber kurz vor dem Passa, dem Fest der Juden.5 Da hob Jesus seine Augen auf und sieht, dass viel Volk zu ihm kommt, und spricht zu Philippus: Wo kaufen wir Brot, damit diese zu essen haben?6 Das sagte er aber, um ihn zu prüfen; denn er wusste wohl, was er tun wollte.7 Philippus antwortete ihm: Für zweihundert Silbergroschen Brot ist nicht genug für sie, dass jeder ein wenig bekomme.8 Spricht zu ihm einer seiner Jünger, Andreas, der Bruder des Simon Petrus:9 Es ist ein Kind hier, das hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische; aber was ist das für so viele?10 Jesus aber sprach: Lasst die Leute sich lagern. Es war aber viel Gras an dem Ort. Da lagerten sich etwa fünftausend Männer.11 Jesus aber nahm die Brote, dankte und gab sie denen, die sich gelagert hatten; desgleichen auch von den Fischen, soviel sie wollten.12 Als sie aber satt waren, sprach er zu seinen Jüngern: Sammelt die übrigen Brocken, damit nichts umkommt.13 Da sammelten sie und füllten von den fünf Gerstenbroten zwölf Körbe mit Brocken, die denen übrig blieben, die gespeist worden waren.14 Als nun die Menschen das Zeichen sahen, das Jesus tat, sprachen sie: Das ist wahrlich der Prophet, der in die Welt kommen soll.15 Als Jesus nun merkte, dass sie kommen würden und ihn ergreifen, um ihn zum König zu machen, entwich er wieder auf den Berg, er selbst allein.
6,1 Danach fuhr Jesus weg über das Galiläische Meer, das auch See von Tiberias heißt.2 Und es zog ihm viel Volk nach, weil sie die Zeichen sahen, die er an den Kranken tat.3 Jesus aber ging auf einen Berg und setzte sich dort mit seinen Jüngern.4 Es war aber kurz vor dem Passa, dem Fest der Juden.5 Da hob Jesus seine Augen auf und sieht, dass viel Volk zu ihm kommt, und spricht zu Philippus: Wo kaufen wir Brot, damit diese zu essen haben?6 Das sagte er aber, um ihn zu prüfen; denn er wusste wohl, was er tun wollte.7 Philippus antwortete ihm: Für zweihundert Silbergroschen Brot ist nicht genug für sie, dass jeder ein wenig bekomme.8 Spricht zu ihm einer seiner Jünger, Andreas, der Bruder des Simon Petrus:9 Es ist ein Kind hier, das hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische; aber was ist das für so viele?10 Jesus aber sprach: Lasst die Leute sich lagern. Es war aber viel Gras an dem Ort. Da lagerten sich etwa fünftausend Männer.11 Jesus aber nahm die Brote, dankte und gab sie denen, die sich gelagert hatten; desgleichen auch von den Fischen, soviel sie wollten.12 Als sie aber satt waren, sprach er zu seinen Jüngern: Sammelt die übrigen Brocken, damit nichts umkommt.13 Da sammelten sie und füllten von den fünf Gerstenbroten zwölf Körbe mit Brocken, die denen übrig blieben, die gespeist worden waren.14 Als nun die Menschen das Zeichen sahen, das Jesus tat, sprachen sie: Das ist wahrlich der Prophet, der in die Welt kommen soll.15 Als Jesus nun merkte, dass sie kommen würden und ihn ergreifen, um ihn zum König zu machen, entwich er wieder auf den Berg, er selbst allein.
Das soll man glauben? So wenig Brot und Fisch – und Tausende satt? Und noch Körbe voll Reste? Nein, so muss man’s nicht glauben. Aber vielleicht das, was Johannes mit dieser Symbolgeschichte ausmalt. Wenig später lässt er Jesus sagen: »Ich bin das Brot des Lebens«.
Als er Kranken geholfen hat, haben sie gemerkt: Der hat nicht nur Worte, die gut tun. Es passiert auch was. Leute verändern sich und Beziehungen. Und das, was Menschen verstört und kaputtmacht. Er gibt allen das, wonach sie hungern: Liebe und Selbstachtung, eine andere Perspektive, Mut zu eigenen Schritten. Er redet von Gerechtigkeit und was das heißt zwischen Mann und Frau, zwischen Eltern und Kindern oder da, wo sie arbeiten. Das hat Tausende mobilisiert. So fängt diese Geschichte ja an. Sie erzählt, wie er den Menschen „Brot“ gibt, wie sie merken: seine Lebensart gibt uns, was uns bisher fehlte, macht uns satt; was er sagt und tut, ist wie ein Lebens-Mittel für uns.
Das eigentliche Wunder ist kein Zauber, sondern dass einer gibt, was er hat und was andere brauchen. Und dass das große Folgen hat. Das ist das „Signal“, das Jesus gibt. Wie oft sagen wir wie jener Philippus: Eigentlich müsste man ja jetzt … Aber was wir haben, reicht dafür nie und nimmer. Meine Stimme, meine Unterschrift, meine Spende – was hilft das schon? Und ich hab auch nur wenig Zeit … Und genau an diesem Punkt macht die Geschichte des Jesus Mut: mit dem bisschen, was du andern gibst, kannst du “unheimlich“ viel helfen. Die paar Minuten bei einem Kranken, der kleine Brief von amnesty international, den du weiterleitest, können helfen, dass Probleme sich lösen.
Aus wenig viel machen: das können wir von Jesus lernen. Auch da, wo andere wirklich Hunger haben.
An dieser Stelle müsste das Eine und Andere aus der aktuellen Hungerthematik angesprochen werden; wie wir durch unseren Lebensstil dazu beitragen, dass es Menschen schlecht geht. Die Billigprodukte, die wir hier kaufen, verschlechtern die Lebensverhältnisse von Menschen in anderen Ländern. Unser Umgang mit der Schöpfung, die Gott allen Menschen zu Verfügung gestellt hat, führt zu klimatischen Veränderungen, die in der Folge zu Dürre, Überschwemmungen und Verödungen ganzer Landstriche führt.
Ja, da ist das Gefühl unsrer Ohnmacht gegenüber solch globalen Problemen... Aber wir dürfen auch darauf vertrauen, dass wir als Verbraucher, als Wähler, als Verkehrsteilnehmerinnen und –teilnehmer, mit Weitergabe von Informationen, mit Leserbriefen, mit „ein bisschen was“ etwas tun können, damit wir nicht nur ein Teil des Problems bleiben, sondern ein Teil seiner Lösung werden. Wir dürfen glauben, mit welch geringen Beiträgen unsrerseits wir Menschen retten können. Wie Kleinkredite an arme indische Bauern diesen Aussicht auf eigene Produkte geben ohne die sonst vernichtende Abhängigkeit von Wucherern. Dass, was wir fair gehandelt kaufen, Familien, Genossenschaften, Dörfern neue Chancen öffnet. Wir haben nicht nur genug, um das „Brot“ für die Welt zu mehren. Wir können mit einer neuen Kultur zu teilen wie Jesus selbst Brot für andere werden. Solche Lebens-Mittel „reichen“ weit. Und sind „Zeichen“ für das Zeichen Jesu, für seine Lebensart, und ein Signal an andere, ebenfalls mit dem Teilen anzufangen. Warum sollten eigentlich nur Fundamentalisten mit ihrer Sorge um das „tägliche Brot“ der Leute Welten verändern?
Von Jesus heißt es – und wir werden es nachher beim Abendmahl wieder hören: „Er nahm, dankte dafür und gab es.“ Wir könnten sogar auch die umgekehrte Reihenfolge erleben. Wer das Leben teilt, hat mehr vom Leben, das haben manche schon beglückt mitbekommen. Dass man also nicht nur aus wenig viel machen kann, sondern dass dabei noch „12 Körbe voll“ mehr übrig bleiben, wie Johannes es ausmalt. Wo immer wir merken, wie wir selbst beschenkt werden durch das, was wir andern geben und bei ihnen verändern, kann es von uns auch heißen: „Sie gaben und waren dankbar für alles, was sie dabei selbst nahmen.“ Amen
Als er Kranken geholfen hat, haben sie gemerkt: Der hat nicht nur Worte, die gut tun. Es passiert auch was. Leute verändern sich und Beziehungen. Und das, was Menschen verstört und kaputtmacht. Er gibt allen das, wonach sie hungern: Liebe und Selbstachtung, eine andere Perspektive, Mut zu eigenen Schritten. Er redet von Gerechtigkeit und was das heißt zwischen Mann und Frau, zwischen Eltern und Kindern oder da, wo sie arbeiten. Das hat Tausende mobilisiert. So fängt diese Geschichte ja an. Sie erzählt, wie er den Menschen „Brot“ gibt, wie sie merken: seine Lebensart gibt uns, was uns bisher fehlte, macht uns satt; was er sagt und tut, ist wie ein Lebens-Mittel für uns.
Das eigentliche Wunder ist kein Zauber, sondern dass einer gibt, was er hat und was andere brauchen. Und dass das große Folgen hat. Das ist das „Signal“, das Jesus gibt. Wie oft sagen wir wie jener Philippus: Eigentlich müsste man ja jetzt … Aber was wir haben, reicht dafür nie und nimmer. Meine Stimme, meine Unterschrift, meine Spende – was hilft das schon? Und ich hab auch nur wenig Zeit … Und genau an diesem Punkt macht die Geschichte des Jesus Mut: mit dem bisschen, was du andern gibst, kannst du “unheimlich“ viel helfen. Die paar Minuten bei einem Kranken, der kleine Brief von amnesty international, den du weiterleitest, können helfen, dass Probleme sich lösen.
Aus wenig viel machen: das können wir von Jesus lernen. Auch da, wo andere wirklich Hunger haben.
An dieser Stelle müsste das Eine und Andere aus der aktuellen Hungerthematik angesprochen werden; wie wir durch unseren Lebensstil dazu beitragen, dass es Menschen schlecht geht. Die Billigprodukte, die wir hier kaufen, verschlechtern die Lebensverhältnisse von Menschen in anderen Ländern. Unser Umgang mit der Schöpfung, die Gott allen Menschen zu Verfügung gestellt hat, führt zu klimatischen Veränderungen, die in der Folge zu Dürre, Überschwemmungen und Verödungen ganzer Landstriche führt.
Ja, da ist das Gefühl unsrer Ohnmacht gegenüber solch globalen Problemen... Aber wir dürfen auch darauf vertrauen, dass wir als Verbraucher, als Wähler, als Verkehrsteilnehmerinnen und –teilnehmer, mit Weitergabe von Informationen, mit Leserbriefen, mit „ein bisschen was“ etwas tun können, damit wir nicht nur ein Teil des Problems bleiben, sondern ein Teil seiner Lösung werden. Wir dürfen glauben, mit welch geringen Beiträgen unsrerseits wir Menschen retten können. Wie Kleinkredite an arme indische Bauern diesen Aussicht auf eigene Produkte geben ohne die sonst vernichtende Abhängigkeit von Wucherern. Dass, was wir fair gehandelt kaufen, Familien, Genossenschaften, Dörfern neue Chancen öffnet. Wir haben nicht nur genug, um das „Brot“ für die Welt zu mehren. Wir können mit einer neuen Kultur zu teilen wie Jesus selbst Brot für andere werden. Solche Lebens-Mittel „reichen“ weit. Und sind „Zeichen“ für das Zeichen Jesu, für seine Lebensart, und ein Signal an andere, ebenfalls mit dem Teilen anzufangen. Warum sollten eigentlich nur Fundamentalisten mit ihrer Sorge um das „tägliche Brot“ der Leute Welten verändern?
Von Jesus heißt es – und wir werden es nachher beim Abendmahl wieder hören: „Er nahm, dankte dafür und gab es.“ Wir könnten sogar auch die umgekehrte Reihenfolge erleben. Wer das Leben teilt, hat mehr vom Leben, das haben manche schon beglückt mitbekommen. Dass man also nicht nur aus wenig viel machen kann, sondern dass dabei noch „12 Körbe voll“ mehr übrig bleiben, wie Johannes es ausmalt. Wo immer wir merken, wie wir selbst beschenkt werden durch das, was wir andern geben und bei ihnen verändern, kann es von uns auch heißen: „Sie gaben und waren dankbar für alles, was sie dabei selbst nahmen.“ Amen
Ansprechperson
Alexandra Mager

Pfarrerin
Alexandra Mager arbeitet für eine bestimmte Zeit als Pfarrerin in unserer Gemeinde. Sie ist Ansprechperson für den HALT. in der Bahnstadt und die Veranstaltungen, die dort stattfinden.
