Jesus als Fußpfleger

Predigt vom 2.4.2026 über Joh 13

Ist jemand von euch Podolog:in? Nein, niemand? Sie vielleicht? Ach so, Sie wissen gar nicht, was das ist? Also Podologie ist die Heilkunde am Fuß. Es leitet sich vom griechischen podos für „Fuß“ und logos für „Sprache/Lehre“ ab. Podologen kümmern sich also um die Füße. Die kommen oft zu kurz, finden Sie nicht auch?

Wenn man lange stehen musste oder eine große Wanderung hinter sich hat, dann tun die Füße weh. Wenn es ganz schlimm kommt, dann bekommt man eine Blase. Noch schlimmer ist ein Hühnerauge. Da hilft kein Pflaster mehr, sondern nur noch eine Podologin. Wie gut, dass es die gibt.
Als Kind hatte ich mal einen eingewachsenen Zehennagel. Daran habe ich mich erinnert, als ich die Geschichte von der Fußwaschung gelesen habe. Ich habe ein Fußbad verschrieben bekommen, aber leider hat das nicht geholfen. So musste ein Teil vom Nagel operativ entfernt werden. Das war eine ziemlich unangenehme Sache. Immerhin hatte ich dann ein paar Tage schulfrei und konnte zuhause bleiben.
In unserer Geschichte geht es auch um die Fußpflege. War Jesus im Nebenberuf ein Podologe? Zu Jesu Zeiten laufen die Menschen in Sandalen rum, oder gleich ganz barfuß. Nun ist Palästina nicht als sauberes Land bekannt. Es ist ziemlich staubig dort. So wundert es nicht, dass die Füße leicht dreckig werden. Deswegen ist es sehr sinnvoll und notwendig, sich regelmäßig die Füße zu waschen. Es gibt den Brauch, dass der Gastgeber seinen Besuch als erstes Wasser zur Reinigung anbietet. In wohlhabenderen Häusern gibt es einen Bediensteten, der diese Aufgabe übernimmt. Doch in unserem Bibeltext ist es kein Diener oder eine Niedriglohnbeschäftigte, die diese Aufgabe übernimmt. Jesus legt sich selbst eine Schürze um und beginnt damit, den Jüngern die Füße zu waschen und abzutrocknen. Wie erstaunt müssen die Jünger gewesen sein. Oder kannten sie ihn inzwischen gut genug und wussten, dass er immer für eine Überraschung gut ist? Jedenfalls scheint es das erste – und auch das letzte - mal gewesen zu sein, dass das geschieht. Petrus, der auch Simon genannt wird, ist jedenfalls ziemlich konsterniert und möchte das eigentlich nicht zulassen. So wie Johannes der Täufer Jesus zuerst nicht taufen wollte sondern von ihm getauft werden wollte. (Mt 3,13f) 
Dann kommt mal wieder der typische Petrus durch: Ganz oder gar nicht, etwas dazwischen gibt es bei ihm nicht. Er möchte ganz gebadet werden, auch die Hände und den Kopf! Er hat Jesus mal wieder nicht richtig verstanden. Es geht Jesus denke ich nicht um das sauber werden, sondern um den Dienst, den er tut. 
Auf dem Weg nach Jerusalem vor ein paar Tagen hat er es den Jüngerinnen und Jüngern doch erst erklärt: Er, der „Menschensohn [ist] nicht gekommen […], dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben als Lösegeld für viele.“ (Mt 20,28) Doch die Jünger:innen verstanden es nicht.
Die Fußwaschung ist das eine Zeichen, dass Jesus tut, um sie auf seinen nahen Tod vorzubereiten. Es ist sein Vermächtnis an die Welt: Jesus nachzufolgen bedeutet anderen Menschen zu dienen, sich für die Schwachen einzusetzen, für Gerechtigkeit zu kämpfen, Frieden zu leben. Wie anders ist doch diese Welt: Die Stolzen halten sich für etwas Besseres, die Reichen protzen und prahlen mit ihrem Überfluss, die Mächtigen unterdrücken die Völker. Wie viele tun das im Namen Gottes und sehen dabei nicht, wie falsch sie damit liegen.
Das andere Zeichen Jesus das Abendmahl, welches sie gleich feiern werden und das auch wir miteinander teilen. Wahrscheinlich ging es diesmal nicht so fröhlich zu wie sonst üblich bei den Festen mit Jesus. Legendär die Hochzeit zu Kanaan! Doch jetzt liegt das Ende in der Luft. Die Stimmung ist vielleicht zum zerreißen gespannt. Petrus möchte alles richtig machen und Judas hadert mit seinem Vorhaben.
Die Fußwaschung hat sich in der gottesdienstlichen Praxis nicht durchgesetzt. Wahrscheinlich ist es zu intim, zu persönlich. Ich möchte andere nicht an meine Füße lassen. Außer meinen Podologen. 
Anders hat sich das Abendmahl entwickelt. Jesus wählt ganz einfache Zeichen, Brot als Zeichen für das Leben und Wein als Symbol für die Freude. Diese beiden sollen die Jünger für immer mit Jesus verbinden. Das ist der Bund, den Gott mit seinen Menschen geschlossen hat. Es tröstet, verbindet, und verwandelt die Jünger zu einer neuen Gemeinschaft von Freunden, einer Freundschaft, die für alle offen ist und niemanden ausschließt. Wie schön ist es, dass wir diese Gemeinschaft der Kirche noch heute erleben können. Bei aller Trennung der Konfessionen und aller Trauer und Wut über die Gewalt und Übergriffe, die es gegeben hat und geben wird. Lassen wir uns in Jesus Christus verbinden und versöhnen. Dafür kann die Fußwaschung ein schönes Zeichen sein. Aber bei einer Blase reicht vielleicht auch ein Pflaster. :-)
Amen.
 
Ansprechperson

Tobias Bade

Diakon

Tobias Bade macht Kinder- und Jugendarbeit. Dazu gehören Kindergottesdiensten, Jungschar, Konfi, Jugendarbeit und mehr. Aber auch Godly Play und Kirche Kunterbunt, Öffentlichkeitsarbeit, Homepage, Newsletter, das Technik-Team und Anderes sind seine Aufgaben.
 

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