Weihnachten ist das Fest der Liebe. Wenn möglich feiern wir es mit Menschen, die uns nahe sind, mit denen, die wir lieb haben. An den Weihnachtstagen wünschen wir uns ein Miteinander in Liebe und Frieden. Wir sehnen uns danach, dass unser Miteinander weihnachtlichen Frieden und Harmonie widerspiegeln.
Fest der Liebe
Predigt vom 24.12.2025 in der Christvesper

Die Lichter sind Zeichen der Hoffnung in der dunklen Jahreszeit und die Geschenke lassen erkennen, dass wir miteinander verbunden sind und was wir einander bedeuten.
*Ihr Lieben, lasst uns einander lieb haben; denn die Liebe ist von Gott, und wer liebt, der ist aus Gott geboren und kennt Gott. Wer nicht liebt, der kennt Gott nicht; denn Gott ist Liebe. Darin ist erschienen die Liebe Gottes unter uns, dass Gott seinen eingebornen Sohn gesandt hat in die Welt, damit wir durch ihn leben sollen. Darin besteht die Liebe: nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat und gesandt seinen Sohn zur Versöhnung für unsre Sünden.*
*Ihr Lieben, hat uns Gott so geliebt, so sollen wir uns auch untereinander lieben. Niemand hat Gott jemals gesehen. Wenn wir uns untereinander lieben, so bleibt Gott in uns, und seine Liebe ist in uns vollkommen. Daran erkennen wir, dass wir in ihm bleiben und er in uns, dass er uns von seinem Geist gegeben hat. Und wir haben gesehen und bezeugen, dass der Vater den Sohn gesandt hat als Heiland der Welt.* (1. Joh 4,7-14)
»*Darin ist erschienen die Liebe Gottes unter uns, dass Gott seinen eingebornen Sohn gesandt hat*«. So kurz und prägnant fasst der Apostel zusammen, worum es Weihnachten geht. Mit und in Jesus ist die Liebe Gottes erschienen. Die näheren Umstände der Geburt werden nicht erwähnt, vermutlich weiß der Apostel darüber nichts oder es ist ihm nicht wichtig. Es heißt nur: Gott sandte seinen Sohn in die Welt. Und: Das geschah zu Versöhung für unsere Sünden. Damit sind der Anfang und das Ende des irdischen Lebens Jesu benannt. Die Geburt des Sohnes erfüllt sich darin, er zur Versöhnung unserer Sünden stirbt. Der Apostel verbindet Krippe und Kreuz ganz eng miteinander, ohne dass er beides beim Namen nennt.
Mit den Weihnachtsgeschichten der Evangelien ist Johannes aber darin einig, dass Jesus ein besonderes, ein einzigartiges Kind ist. Er ist der *eingeborene* Sohn, der *einzige geborene*, der *einzigartige* Sohn Gottes. So drückt er sich aus, obwohl er auch schreibt, dass alle Menschen, die lieben, aus Gott geboren sind, und dass er allen Menschen seinen Geist gibt, die in der Liebe bleiben. Doch Jesu Verbindung mit dem Vater ist etwas anderes und etwas größeres. Er ist der einzige und einzigartige. Niemand verkörpert die Liebe Gottes so umfassend wie er, niemand anders kann Versöhnung für unsere Sünden bringen.
Im letzten Satz unseres Abschnitts heißt, »dass der Vater den Sohn gesandt hat als Heiland der Welt«. So haben wir es in der Lesung aus dem Lukasevangelium auch schon gehört. Der Engel sagt zu den Hirten: »Euch ist heute der Heiland geboren«. Das griechische Wort, das hier verwendet wird, heißt »Retter«. In der Antike wurde es für verschiedene Gottheiten und auch für politische Machthaber verwendet. Das sind also große Worte für eine kleines Kind, das unbemerkt am Rand des römischen Reiches als Kind einfacher Leute geboren wurde. Und dessen Wirken nach wenigen Jahren endete, weil die religiösen und politischen Autoritäten ihn ausschalten wollten.
Gott schickte nicht seine himmlischen Herrscharen, um endlich die Missstände zu beenden, um Korruption und Unterdrückung zu beenden, um ein für alle mal richtig aufzuräumen hier auf unserer Erde. Sein »Heiland«, sein »Retter« wird als kleines Kind geboren, schwach und abhängig. Als Kind in Windeln ist er von der Liebe seiner Eltern oder anderer sorgender Menschen abhängig. Auch als er heranwächst, wird seine Stärke die Liebe sein. Die Liebe, mit der er sich den Schwachen und Ausgegrenzten zuwendet. Die Liebe, mit der er Kranke heilt. Und die kindliche, unbegrenzte Liebe, die ihn mit Gott, dem himmlischen Vater verbindet.
Aber wenn Jesus der Retter, der Heiland ist, dürfen wir dann von ihm nicht mehr erwarten? Auch über 2000 Jahre nach seiner Geburt ist die Welt voll Hass und Gewalt. Kriege und Lüge und Unrecht machen sich breit. In Deutschland nehmen wir besonders den Krieg in der Ukraine und die Folgen des Terroranschlags der Hamas für Israel und Palästina als bedrohlich war. Wir erleben, dass undemokratische Kräfte an Einfluss gewinnen, sogar und gerade in den Ländern, in denen die westliche Demokratie entwickelt wurde. Aber auch in unserem eigenen Land nehmen wir vieles mit Sorge wahr.
Vielleicht hängt unser Gefühl auch damit zusammen, dass die vielen Nachrichten im digitalen Zeitalter vor allem schlechte Nachrichten sind. Dagegen hatte der Engel den Hirten verkündet: »Siehe, ich verkündige euch eine große Freude« (Lk 2,10). Gute Nachrichten haben es schwer, sich durchzusetzen. Die Gute Nachricht Gottes, auf griechisch »Das Evangelium«, hat es oft schwer, Gehör zu finden.
Darum ist es wunderbar, dass heute so viele Menschen Weihnachten feiern. Denn an diesem Tag sind unsere Herzen und Sinne offen für genau diese Frohe Botschaft: Es ist die Liebe, die die Welt verändern kann. Die Liebe ist der Weg, den Gott mit uns Menschen geht. Die Liebe verbindet uns untereinander und mit ihm. Für den Apostel des 1. Johannesbriefs ist dabei ein Gedanke wichtig: Unsere Liebe ist immer schon eine Antwort auf Gottes Liebe. Er hat uns zuerst geliebt. So ähnlich, wie Eltern ihre Kinder zuerst lieben. Und so wie Kinder lernen, auf die Liebe zu antworten, die sie erfahren. So ist es mit Gottes Liebe zu uns.
Wie kann also Jesus auch für uns der »Heiland«, der »Retter« sein? Er kommt nicht zu uns, um unsere Probleme zu lösen. Aber er steckt uns an mit dem Geist der Liebe, er stärkt uns in dem Wunsch und in der Kraft zu lieben. In diesem Geist dürfen und sollen wir leben, bereit, anderen Menschen liebevoll zu begegnen. Bereit im anderen oder in der anderen einen von Gott geliebten Menschen zu sehen. Bereit zur Versöhnung, weil Jesus zur Versöhnung gekommen ist.
Damit sind die Sorgen und Probleme nicht aus der Welt, damit ist das Dunkel nicht vertrieben. Aber in diesem Dunkel leuchten Lichter, in unserem Leben kann es niemals ganz dunkel sein, solange das Licht der Liebe nicht verlischt.
Ich möchte schließen mit Worten aus einem Weihnachtslied von Paul Gerhard »Fröhlich soll mein Herze springen«. In der sechsten Strophe spricht er von der Liebe, die Weihnachten zum Fest der Liebe macht und von dem Licht, das davon ausgeht.
»*Ei so kommt und laßt uns laufen, / stellt euch ein, groß und klein, / eilt mit großen Haufen! / Liebt den, der vor Liebe brennet; / schaut den Stern, der euch gern / Licht und Labsal gönnet*«.






