Hoffnung trotzt allem

Predigt in der Osternacht, Christuskirche 5.4.2026

»Hoffnung trotzt allem«, dieser Satz begegnet uns in diesen Tagen an vielen Orten in Heidelberg. Es war zu lesen auf Plakaten, auf Bannern, auf Karten und T-Shirts. Die christlichen Kirchen unserer Stadt haben sich in der Aktion »Heidelberger Ostern« zusammengeschlossen. Gemeinsam machen wir aufmerksam auf den Kern der Osterbotschaft.
 

Halte im Gedächtnis Jesus Christus, der auferstanden ist von den Toten, aus Davids Geschlecht, gemäß meinem Evangelium, um dessentwillen ich leide bis hin zu den Fesseln wie ein Verbrecher; aber das Wort Gottes ist nicht gefesselt. Deshalb erdulde ich alles um der Auserwählten willen, damit auch sie das Heil in Christus Jesus erlangen mit ewiger Herrlichkeit. Das Wort ist glaubwürdig:
 
Wenn wir nämlich mit Christus gestorben sind, / werden wir auch mit ihm leben;  
wenn wir standhaft bleiben, / werden wir auch mit ihm herrschen;  
wenn wir ihn verleugnen, / wird auch er uns verleugnen.  
Wenn wir untreu sind, bleibt er doch treu, / denn er kann sich selbst nicht verleugnen.
 
Predigttext aus  2. Timotheus 2,8–13, Einheitsübersetzung, erster Satz Lutherbibel
 
»Hoffnung trotzt allem«, dieser Satz begegnet uns in diesen Tagen an vielen Orten in Heidelberg. Es war zu lesen auf Plakaten, auf Bannern, auf Karten und T-Shirts. Die christlichen Kirchen unserer Stadt haben sich in der Aktion »Heidelberger Ostern« zusammengeschlossen. Gemeinsam machen wir aufmerksam auf den Kern der Osterbotschaft.
Die Formulierung »Hoffnung trotzt allem« lässt das »trotz allem« anklingen, das wir so gut kennen: Trotz allem, was uns Sorgen macht. Trotz allem, was wir in den Nachrichten hören. Trotz allem, was im eigenen Leben manchmal schwer wird.
In der Osternacht geht es genau darum. Wir hören von einer Hoffnung, die in einem Moment entsteht, als eigentlich niemand mehr damit gerechnet hatte. In der Lesung des Osterevangeliums haben wir es gerade gehört: Maria aus Magdala und die andere Maria machen sich auf den Weg. Es ist noch dunkel. Sie gehen zum Grab. Hinter ihnen liegt der Karfreitag, Jesus ist am Kreuz gestorben und für sie ist eine Welt zusammengebrochen. Mit ihm scheint ihre Hoffnung begraben.
Und dennoch brechen sie in aller Frühe auf. Sie wollen Abschied nehmen und Jesus einen letzten Dienst erweisen. Vielleicht wollen sie begreifen, warum das alles geschehen ist. Sie wollen sich an ihn erinnern, ihm noch einmal nahe sein. Vielleicht wissen sie auch einfach nicht, wohin sie sonst gehen sollen, und wie es nun weitergehen soll.
Das Grab finden sie offen stehen. Ein Engel spricht zu ihnen: »*Fürchtet euch nicht! Jesus ist nicht hier. Er ist auferstanden*«. Dann begegnet ihnen Jesus selbst. Auch er sagt »*Fürchtet euch nicht*«. Das ist die erste und wichtigste Osterbotschaft. Die Frauen hatten Grund, sich fürchten. Die Auferstehung verwandelt ihre Furcht in Hoffnung.
  
Auch der Predigttext, den wir gehört haben, spricht davon, dass sich mit der Auferstehung alles verwandelt. Der Apostel schreibt: »*Halte im Gedächtnis Jesus Christus, der auferstanden ist von den Toten*«. Das ist die Mitte des christlichen Glaubens: Sich zu erinnern, innerlich daran festzuhalten: Jesus Christus ist auferstanden.
Diese Erinnerung trägt auch in schweren Zeiten. Der Autor unseres Predigttextes weiß, wie viel Paulus bei seinen Missionsreisen erlitten hatte. Er wurde im Gefängnis festgehalten. Er erlebte Widerstand, Ablehnung und Unsicherheit. Er musste immer wieder damit rechnen, zum Tod verurteilt zu werden. Er war nicht selten in Fesseln gebunden. Dennoch stellt er fest »Das Wort Gottes ist nicht gebunden«.
Das ist österliche Zuversicht. Menschen können gefangen sein, können eingeschränkt werden, können an ihre Grenzen stoßen. Aber Gottes Wort bleibt lebendig und wirksam. Gottes Hoffnung lässt sich nicht einsperren. Genau dazu passt das Motto unserer Osterkampagne: »Hoffnung trotzt allem«. 
   
Wir erleben eine Welt, die so wenig Anlass zur Hoffnung gibt. Der Krieg in der Ukraine dauert schon über 1.500 Tage. Und immer weiter müssen Menschen unter schwierigsten Bedingungen leben, verlieren ihre Heimat, ihre Sicherheit, manchmal ihr Leben. Auch im Nahen Osten erleben wir Gewalt – in Israel, im Libanon, im Iran und den Nachbarländern, Wir fragen uns: Wie kann an diesen Orten ein gerechter Frieden entstehen? Wer kann diese Konflikte lösen? Und wir spüren: Unsere Möglichkeiten sind begrenzt.
Aber Ostern eröffnet eine andere Perspektive. Die österliche Botschaft lautet: Gottes Hoffnung beginnt genau dort, wo unsere Möglichkeiten enden. Die Frauen am Grab konnten den Tod nicht rückgängig machen.
Sie konnten die Ereignisse von Karfreitag nicht ändern. Aber Gott hat gehandelt. Sie sehen das leere Grab, sie erfahren es selbst: Jesus lebt. Und von diesem Moment an verändert sich etwas in der Welt.
Der Apostel des 2. Timotheusbriefs entfaltet die Hoffnung auf eine grundlegende Verwandlung der Situation in einigen Glaubenssätzen:
»*Wenn wir nämlich mit Christus gestorben sind, / werden wir auch mit ihm leben; 
wenn wir standhaft bleiben, / werden wir auch mit ihm herrschen; (...)
Wenn wir untreu sind, bleibt er doch treu*«

Glauben wir das? Können wir das glauben? Unser Glaube ist manchmal stark – und manchmal nur klein.
Unser Vertrauen wächst – und manchmal gerät es ins Wanken. Aber Gottes Treue bleibt. Auch das ist Ostern: Gott hält an uns fest, trotz allem. Das ist besonders wichtig für euch: Rikke, Leander und Stanislas. Ihr seid heute getauft worden, darum richtet sich Gottes Zusage heute ganz persönlich an euch. Mit eurem Entschluss zur Taufe sagt ihr: Ich möchte mich auf den Weg des Glaubens machen. Die Geschichte Jesu soll zu meiner Lebensgeschichte gehören. 
In der Taufe sagt Gott zu euch: »Du gehörst zu mir«. Euer Leben ist durch die Taufe verbunden mit Gott, dem Ursprung des Leben. Mit Gott, dessen Liebe und Treue sogar den Tod besiegt hat. Also soll auch euer Leben unter dem  Vorzeichen des Lebens und der Hoffnung stehen. 
Ostern zeigt uns, dass diese Hoffnung Menschen in Bewegung setzt. Der Engel sagt zu den Frauen: »Geht und sagt es den Jüngern«. Sie laufen los und auf dem Weg bekräftigt Jesus noch einmal das »Fürchtet euch nicht«. Er ermutigt sie zu allem, was jetzt an Neuem kommen wird.
Die Hoffnung will weiter getragen werden. Das geschieht nicht immer in großen Gesten. Manchmal beginnt Hoffnung ganz unscheinbar. Wenn Menschen einander zuhören. Wenn jemand den Mut hat, neu anzufangen.
Wenn jemand den ersten Schritt zur Versöhnung macht. Hoffnung wächst, wenn Menschen sich nicht vom Dunkel bestimmen lassen.
   
Hoffnung trotzt allem. Sie schaut der Wirklichkeit ins Gesicht. Sie weiß um das Schwere, um das Leiden, um Schuld und Tod. Hierher gehört ein Bild aus dem Predigttext, das für die frühen Christinnen und Christen zentral war. Der Apostel schreibt: »Wenn wir nämlich mit Christus gestorben sind, werden wir auch mit ihm leben.« 
Mit Christus sterben – das klingt für uns heute fremd. Doch gemeint ist damit, dass wir unser Leben nicht mehr allein aus uns selbst heraus verstehen. Wer zu Christus gehört, lässt sich hineinnehmen in seine Geschichte. Dazu gehört auch, dass wir das Schwere dieser Welt nicht einfach verdrängen oder überspringen. Der Weg Jesu führt durch Leid, durch Ablehnung und durch den Tod. Karfreitag gehört zu Ostern.
Vielleicht lässt sich genau so das Motto unserer Osterkampagne verstehen. »Hoffnung trotzt allem«: Es bleibt vieles, was uns Sorgen macht. Aber Ostern verändert den Horizont, unter dem wir leben. Wenn Christus auferstanden ist, dann ist der Tod nicht mehr das letzte Wort über diese Welt. Wenn Gott Jesus aus dem Grab gerufen hat, dann ist seine Macht größer als alle Kräfte der Zerstörung.
   
So gehen wir aus dieser Osternacht in den heraufziehenden Tag. Wir haben die Dunkelheit wahrgenommen, als wie gekommen sind. Aber wir wissen um das Licht, das Gott aufgehen lässt. Wir erleben unsere eigenen Grenzen, aber wir vertrauen auf Gottes Treue. Sogar »wenn wir untreu sind, bleibt er doch treu«, schreibt der Apostel.
Diese Treue Gottes ist der Grund unserer Hoffnung. Hoffnung trotz allem.



Neuen Kommentar verfassen

Keine Kommentare vorhanden